Erbauliche Gedanken eines Tobakrauchers

Sooft ich meine Tobakspfeife,
mit gutem Knaster angefüllt,
zur Lust und Zeitvertreib ergreife,
so gibt sie mir ein Trauerbild
und füget diese Lehre bei,
dass ich derselben ähnlich sei.

Wenn nun die Pfeife angezündet,
so sieht man, wie im Augenblick
der Rauch in freier Luft entschwindet,
nichts als die Asche bleibt zurück.
So wird des Menschen Ruhm verzehrt
und dessen Leib in Staub verkehrt.

Wie oft geschieht’s nicht bei dem Rauchen,
dass, wenn der Stopfer nicht zur Hand,
man pflegt den Finger zu gebrauchen.
Dann denk ich, wenn ich mich verbrannt:
O, macht die Kohle solche Pein,
wie heiß mag erst die Hölle sein?

Ich kann bei so gestalt’nen Sachen
mir bei dem Tobak jederzeit
erbauliche Gedanken machen.
Drum schmauch ich voll Zufriedenheit
zu Land, zu Wasser und zu Haus
mein Pfeifchen stets in Andacht aus.

Johann Sebastian Bach
Arie: BWV 515a
Aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach.
Text: unbekannt

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